Wer die anderen Artikel auf unserer Website gelesen hat, dem ist vielleicht schon aufgefallen, dass der Weihnachtsmann nicht der einzige Bringer von Weihnachtsgaben in Deutschland ist. Noch vor fünfzig Jahren kam zu den meisten deutschen Kindern das Christkind. Mit dem Erscheinen des Weihnachtsmannes haben sich auch andere Weihnachtstraditionen verändert.

Seitdem der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, ist Weihnachten kommerzieller geworden. Der Weihnachtsbaum wird meist nicht erst wie früher am Heiligen Abend, sondern oft schon früh im Advent aufgestellt und dekoriert. Kinder schreiben lange Wunschlisten an den Weihnachtsmann. Die neuesten iPhones und iPads sind äußerst beliebte Geschenke für Kinder, während es früher Puppen oder Rollschuhe gab. Statt vererbten Weihnachtsdekorationen gibt es heute jährlich neuen Christbaumschmuck in aufeinander abgestimmten Modefarben. So haben sich mit dem Weihnachtsmann neue Traditionen entwickelt.

Das Christkind

Als das Christkind noch die Geschenke brachte, ging Vater am Tag des Heiligen Abends in den Wald und brachte den Christbaum ins Haus. Der wurde dann in der guten Stube aufgestellt, die nur an Sonntagen oder besonderen Festtagen betreten wurde. Dies geschah in der Regel still und heimlich, während die Kinder der Mutter bei der Weihnachtsbäckerei halfen. War der Christbaum geschmückt, dann wurde das Zimmer abgeschlossen.

Am Heiligen Abend ging die ganze Familie in die Christmette. Entweder vorher oder nachher, je nachdem wann die Mette stattfand, gab es Abendessen, meistens Kartoffelsalat und Würstchen oder etwas ähnlich einfach Zuzubereitendes. Nach der Mette versammelte sich die Familie zum letzten Mal um den Adventskranz mit seinen vier brennenden Kerzen, sang Weihnachtslieder, musizierte oder las zusammen eine Weihnachtsgeschichte. Wenn ein helles Glöckchen erklang, wussten die Kinder, dass das Christkind dagewesen war und man jetzt die gute Stube betreten durfte. Die Kerzen am Weihnachtsbaum leuchteten hell und unter den überhängenden Zweigen war eine Krippenszene mit geschnitzten Figuren aufgebaut. Daneben lagen die Geschenke, die das Christkind gebracht hatte. Das waren damals noch oft Dinge, die wirklich gebraucht wurden, wie eine neue Winterjacke oder auch mal ein paar Rollschuhe oder ein Fahrrad.

Der Weihnachtsmann

Während das Christkind christlichen Ursprungs ist und oft als Engel dargestellt wird, hat der Weihnachtsmann seinen Ursprung in der nordischen Mythologie. Man glaubt, dass die Gestalt des Weihnachtsmannes aus Elementen der nordischen Götter Thor und Balder entstanden ist. Ursprünglich trug der bärtige Mann aus Lappland einen braunen Winterpelz. Schon damals fuhr er auf einem Rentierschlitten und brachte den Menschen Nüsse als reichhaltige Winternahrung. Er hatte auch eine Rute dabei, die damals als Fruchtbarkeitssymbol galt. Die Marke Coca-Cola benutzte den Weihnachtsmann in den Zwanziger- und Dreißigerjahren für einen Werbefeldzug und verlieh ihm einen roten Pelzmantel. Damit wurde der Weihnachtsmann weltbekannt.

Eigentlich ist der Nikolaus der Ursprung des weihnachtlichen Schenkens in Europa. Das Christkind wurde von Martin Luther eingeführt, der als Protestant die Heiligenverehrung ablehnte. Der Nikolaus selber wurde von holländischen Einwanderern als Sinterklaas nach Amerika gebracht. Aus dem Sinterklaas der Holländer wurde dann der amerikanische Santa Claus.